Wofür wir stehen!
Selbstbestimmung stärken, Vielfalt leben und Gemeinschaft ermöglichen
1. Grundlagen der Arbeit
Der TransMann e.V. ist ein gemeinnütziger Selbsthilfe- und Selbstvertretungsverein.
Er bietet Kontakt, Information, Austausch und Unterstützung auf Peer-to-Peer-Basis für Frau-zu-Mann (FzM) trans*, inter* und nicht-binäre Personen sowie für deren Angehörige, Unterstützer*innen, Allies und interessierte Personen.
Im Mittelpunkt der Vereinsarbeit stehen Selbsthilfe und Selbstvertretung. Der Verein schafft Räume, in denen Menschen sich austauschen, gegenseitig stärken und voneinander lernen können. Gleichzeitig macht der TransMann e.V. die Anliegen und Perspektiven der Community sichtbar und vertritt sie nach außen – sachlich, dialogorientiert und parteipolitisch unabhängig.
Der Leitgedanke des Vereins lautet:
BE PROUD – BE VISIBLE – BE YOURSELF.
Er steht für das Selbstverständnis des TransMann e.V., Menschen darin zu bestärken, stolz auf ihre Identität zu sein, sichtbar zu werden, wenn sie dies möchten, und ihr Leben selbstbestimmt und authentisch zu gestalten. Der Verein fördert Empowerment, Akzeptanz und gesellschaftliche Teilhabe.
Ziel der Vereinsarbeit ist es, Selbstbestimmung zu stärken, Vielfalt zu leben und Gemeinschaft zu ermöglichen. Der Verein wirkt Diskriminierung und Ausgrenzung entgegen und setzt sich für gleiche Rechte, Würde und Teilhabe ein.
Dieses Grundsatzprogramm konkretisiert die in der Satzung festgelegten Zwecke, Zielgruppen und Grundsätze der Vereinsarbeit. Es ersetzt die Satzung nicht, sondern ergänzt sie inhaltlich.
1.1 Verständnis von Geschlecht, Geschlechtsidentität und Vielfalt
Geschlecht ist vielfältig und individuell. Es umfasst körperliche Merkmale, Geschlechtsidentität, Geschlechtsausdruck sowie soziale und rechtliche Zuschreibungen. Der TransMann e.V. erkennt an, dass trans*, inter* und nicht-binäre (TIN*) Menschen ihr Geschlecht selbst definieren und ihre Identität eigenständig benennen.
Inter* Personen sind im TransMann e.V. willkommen, sofern sie sich von den Angeboten angesprochen fühlen oder sich im thematischen Schwerpunkt des Vereins wiederfinden. Der Verein erkennt die Vielfalt inter* Selbstdefinitionen, Identitäten und Lebensrealitäten an und unterstützt das Recht auf körperliche und seelische Selbstbestimmung.
Der Verein unterstützt das Recht von inter* Menschen auf körperliche Selbstbestimmung und setzt sich gegen nicht notwendige, nicht einwilligungsfähige Eingriffe ein.
1.2. Begriffe im Kontext unserer Arbeit
Zur besseren Verständlichkeit erläutern wir im Folgenden einige Begriffe, die im
Grundsatzprogramm verwendet werden. Sie dienen der Orientierung und respektieren
die Vielfalt individueller Selbstbezeichnungen.
Trans*
Sammelbegriff für Personen, deren Geschlechtsidentität nicht oder nicht vollständig mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt.
Trans Mann / transmaskulin / Frau-zu-Mann (FzM)
Bezeichnungen für Personen, die sich ganz oder teilweise als männlich oder maskulin verorten und denen bei der Geburt ein weibliches Geschlecht zugewiesen wurde. FzM ist Teil der Vereinsgeschichte und weiterhin Bestandteil der Vereinsarbeit.
Nicht-binär / genderdivers
Bezeichnungen für Personen, deren Geschlechtsidentität nicht ausschließlich männlich oder weiblich ist.
Inter*
Sammelbegriff für vielfältige körperliche Ausprägungen, bei denen biologische Geschlechtsmerkmale nicht eindeutig den Kategorien „männlich“ oder „weiblich“ zugeordnet werden können. Maßgeblich ist stets die Selbstdefinition der jeweiligen Person.
Geschlechtsinkongruenz
Nicht-Übereinstimmung zwischen dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht und der eigenen Geschlechtsidentität. Diese Erfahrung ist keine Krankheit, sondern eine mögliche Lebensrealität im Rahmen geschlechtlicher Vielfalt.
Geschlechtsdysphorie
Individuelles Leiden oder Unbehagen, das aus Geschlechtsinkongruenz entstehen kann. Art, Ausprägung und Dauer dieses Erlebens sind unterschiedlich. Nicht alle trans* oder inter* Personen erleben Geschlechtsdysphorie. Maßgeblich sind die jeweilige Selbstwahrnehmung und der individuell gewählte Lebensweg.
Allies (Verbündete*)
Personen, die selbst nicht trans* oder inter* sind, sich jedoch bewusst solidarisch an die Seite von trans* und genderdiversen Menschen stellen. Allies handeln unterstützend und respektieren die Selbstvertretung der Betroffenen.
Unterstützer*innen
Personen, die die Vereinsarbeit ideell, organisatorisch oder praktisch fördern und die Prinzipien der Selbsthilfe und Selbstvertretung respektieren.
1.2. Zielgruppe und Begriffsverständnis
Der TransMann e.V. richtet sich an Frau-zu-Mann (FzM), trans*, inter* und nicht-binäre Personen. Der Schwerpunkt der Vereinsarbeit liegt auf trans* Personen, insbesondere auf Personen, die sich nicht dem bei der Geburt zugewiesenen weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen.
Darüber hinaus steht der Verein auch Angehörigen, Unterstützer*innen, Allies und interessierten Personen offen, die sich informieren, austauschen oder solidarisch engagieren möchten. Ihre Einbindung erfolgt unterstützend und im Einklang mit den in der Satzung definierten Vereinszwecken.
2. Der Verein
2.1. Werdegang und Selbstverständnis
Der TransMann e.V. wurde am 08.05.1999 gegründet und ist aus der Community heraus entstanden. Ausgangspunkt war der Bedarf nach Austausch, Information und gegenseitiger Unterstützung auf Augenhöhe sowie nach einer eigenen Stimme in gesellschaftlichen und politischen Diskursen.
Der Verein ist bundesweit tätig und verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke. Er versteht sich als lernende Organisation, die sich an den Bedarfen der Community orientiert.
2.2. Grundsätze der Vereinsarbeit
Informieren und Unterstützen auf Peer-to-Peer-Basis
Die Arbeit des TransMann e.V. folgt dem Grundsatz, Menschen zu informieren, zu unterstützen und in ihrer Selbstbestimmung zu stärken. Information und Unterstützung erfolgen dabei auf Peer-to-Peer-Basis und orientieren sich an den Bedarfen der Community.
Die Vereinsarbeit basiert auf folgenden Grundsätzen:
- Selbsthilfe und Selbstvertretung
- Peer-to-Peer-Arbeit
- Selbstbestimmung und Empowerment
- Respekt, Vielfalt und Inklusion
- Antidiskriminierung und Menschenrechte
- Transparenz, Unabhängigkeit und Ehrenamtlichkeit
2.3. Organisationsstruktur
Der TransMann e.V. ist demokratisch organisiert. Die Mitgliederversammlung ist das höchste beschlussfassende Organ. Ein gewählter Vorstand übernimmt die organisatorische und rechtliche Verantwortung.
Die Vereinsarbeit wird ausschließlich ehrenamtlich getragen. Mitglieder, Unterstützer*innen und Allies gestalten Angebote, Projekte und Strukturen aktiv mit. Die formalen Regelungen sind in der Satzung festgelegt.
2.4. Regionalgruppen, Projekte und Angebote
Regionalgruppen, Projekte und Online-Angebote sind zentrale Bestandteile der Vereinsarbeit. Sie ermöglichen Selbsthilfe, Austausch und Teilhabe – regional, bundesweit und digital.
Dazu gehören unter anderem bundesweite Austauschtreffen, digitale Beratungs- und Selbsthilfeangebote sowie Safer-Space-Projekte wie z. B. TIN-Schwimmen*. Für die Zukunft plant der Verein den Aufbau von Zentren oder festen Treffpunkten, eigenständig oder in Kooperation. Regionalgruppen verstehen sich als Teil des TransMann e.V. Sie erkennen Satzung und Grundsatzprogramm an und orientieren ihre Arbeit an den Beschlüssen der Mitgliederversammlung
3. Ziele
Die Ziele des TransMann e.V. orientieren sich am Leitgedanken, Selbstbestimmung zu stärken, Vielfalt zu leben und Gemeinschaft zu ermöglichen.
Der TransMann e.V. stärkt Selbsthilfe, fördert Selbstvertretung, vermittelt Wissen, ermöglicht Vernetzung und setzt sich für gesellschaftliche Teilhabe ein.
Der Verein zeigt Solidarität mit trans* und inter* Menschen weltweit und unterstützt menschenrechtliche Standards im Rahmen seiner Möglichkeiten.
Der Verein verfolgt diese Ziele insbesondere durch:
- Sichtbarkeit und sachliche Darstellung in Bildung, Fachpraxis, Medien und Kultur, um Vorurteile abzubauen und Wissen zu verankern.
- Selbsthilfe, Austausch und Peer-to-Peer-Unterstützung in regionalen, bundesweiten und digitalen Formaten, um Isolation zu reduzieren und Ressourcen zu stärken.
- Empowerment und Selbstvertretung, damit Betroffene ihre Interessen sichtbar machen und informierte Entscheidungen treffen können.
- Information und Aufklärung für Betroffene, Angehörige, Unterstützer*innen, Allies, Fachstellen und die interessierte Öffentlichkeit.
- Diskriminierungsfreie Teilhabe in Familie, Beziehungen, Arbeit, Bildung, Gesundheitsversorgung und Alltag – einschließlich der Stärkung unterstützender Netzwerke.
- Einsatz für eine respektvolle, bedarfsgerechte und diskriminierungsfreie Gesundheitsversorgung und Begutachtungspraxis, die Selbstbestimmung achtet und unterschiedliche Wege anerkennt.
- Kooperation und Vernetzung mit Selbsthilfe-Strukturen, queeren Organisationen und relevanten Fachstellen, um Synergien zu nutzen, Wissen zu teilen und Wirksamkeit zu erhöhen.
4. Arbeitsweise und Abgrenzung
Die Vereinsarbeit basiert auf Selbsthilfe, Selbstvertretung und Peer-to-Peer-Prinzipien. Alle Angebote sind freiwillig, vertraulich und ressourcenorientiert.
Der Verein respektiert individuelle Wege: Niemand wird zu sozialen, medizinischen oder rechtlichen Schritten gedrängt oder davon abgehalten. Maßgeblich sind Selbstdefinition, persönliche Bedürfnisse und die eigene Entscheidung der jeweiligen Person.
Informationen und Erstkontakt sind grundsätzlich niedrigschwellig zugänglich. Der Verein vermeidet den Eindruck, dass eine Mitgliedschaft Voraussetzung für Unterstützung oder Informationen ist.
Notwendige Informationen werden grundsätzlich unentgeltlich bereitgestellt. Eine freiwillige Kostenbeteiligung für Materialien kann erbeten, aber nicht verlangt werden. Aggressive Mitgliederwerbung findet nicht statt.
Der Verein bietet keine professionelle medizinische Behandlung oder Beratung, Psychotherapie oder Rechtsberatung an. Die Arbeit ersetzt keine professionelle Versorgung, kann diese jedoch sinnvoll ergänzen. Der TransMann e.V. arbeitet gemeinnützig, parteipolitisch und weltanschaulich unabhängig. Diskriminierendes oder übergriffiges Verhalten wird nicht toleriert
5. Ausblick
Der TransMann e.V. versteht sich als lernende Organisation. Die Vereinsarbeit wird kontinuierlich weiterentwickelt und an neue Bedarfe angepasst.
Ziel ist eine Gesellschaft, in der geschlechtliche Vielfalt anerkannt ist und Menschen selbstbestimmt, sicher und gleichberechtigt leben können.
Dieses Grundsatzprogramm bildet die Grundlage der Vereinsarbeit und kann bei Bedarf an neue Entwicklungen angepasst werden.
Beschluss- und Versionsvermerk
Dieses Grundsatzprogramm wurde von der Mitgliederversammlung des TransMann e.V. am 20. Juni 2026 an der Mitgliederversammlung beschlossen und tritt mit diesem Datum in Kraft.
Versionsstand: Juni 2026

